von Michelle Wegener
Die Entscheidung (nur) Bauchgeburten zu fotografieren, durfte über die letzten Monate und Jahre in mir wachsen.
Sie ist entstanden aus meinen eigenen Erfahrungen und dem Bedürfnis dieser – häufig immer noch verurteilten – Form der Geburt Aufmerksamkeit und Sichtbarkeit zu schenken.
Aber vor allem mit dem ganz großen Wunsch den Anfang eurer Beziehung und dieser aufregenden Reise für immer für euch festzuhalten.
Weil ihr seid, was zählt. Von Anfang an.
Was ist ein geplanter Kaiserschnitt und welche Begriffe werden noch dafür genutzt?
Bei einem geplanten Kaiserschnitt wird vor Wehenbeginn festgelegt, dass das Baby (oder die Babies) per Operation und nicht vaginal geboren werden sollen. Es kann – ja nach Grund – geplant werden, den Kaiserschnitt erst mit Wehenbeginn durchzuführen.
Dabei gibt es im Optimalfall einen engen Austausch zwischen der*m Schwangeren und dem ärztlichen Personal, um den Zeitpunkt zu finden, an dem die Vorteile die Nachteile überwiegen.
Die Gründe für eine solche Entscheidung können ganz unterschiedlich sein und sollten niemals Anlass zu Verurteilungen oder Schuldgefühlen sein.
Es gibt verschiedene Begriffe, die genutzt werden.
Davon unabhängig kann es immer auch ungeplant zu einem Kaiserschnitt kommen. Das wäre dann eine sekundäre Sectio oder – in Ausnahmefällen – auch ein Notkaiserschnitt, welcher dann unter Vollnarkose erfolgt.
Ansonsten kann die Bauchgeburt unter Regionalanästhesie erfolgen, sodass die*der Gebärende wach sein und das Kind direkt in Empfang nehmen kann.
Der Begriff „Kaiserschnitt (Sectio caesarea)“ geht laut Legende darauf zurück, dass der Kaiser Julius seiner Mutter aus dem Bauch geschnitten (lat. caesus) wurde.
Abgesehen davon, dass ich finde, dass wir aufhören sollten beim Thema Schwangerschaft und Geburt die Männer in den Vordergrund zu stellen, finde ich es unpassend, dass der Schwerpunkt auf dem Schnitt liegt. Selbstverständlich ist dieser nötig, um den Bauchraum zu eröffnen, aber darum geht es in der Situation ja überhaupt nicht.
Eine vaginale Geburt wird auch nicht „Pressgeburt“ genannt, sondern beschreibt nur den Weg, auf dem das Kind den schwangeren Körper verlassen hat.
Ich finde es wahnsinnig wichtig, dass – gerade bei Bauchgeburten – der Fokus daraufgelegt wird, was es ist:
Eine Geburt. Das Ankommen eines neuen Menschleins auf dieser verrückten, lauten und großen Welt. Das Begrüßen eines neuen Familienmitglieds. Der Beginn von neuen Abenteuern, Herausforderungen, Chaos und einer Liebe, die wir uns vorher überhaupt nicht vorstellen können.
Deshalb findest du bei mir an den meisten Stellen die Bauchgeburt.
Um ehrlich zu sein, war es keine freie Entscheidung.
Wenn ich schwanger bin, leide ich unter Hyperemesis Gravidarum. Kurzgesagt: nicht enden wollender Übelkeit.
Ich kann dann kaum essen und trinken und mich ohne starke Medikamente nicht mal alleine versorgen.
Den Großteil der Schwangerschaft lag ich also im Bett und habe darauf gewartet, dass es vorbeigeht. Bewegung war Fehlanzeige, sodass meine körperlichen Voraussetzungen für eine Geburt – vorsichtig ausgedrückt – eher mies waren.
Wäre die Geburt viel früher als geplant losgegangen, hätte ich es vielleicht ohne Bauchgeburt versucht, aber dazu kam es nicht.
Stattdessen war klar, dass ich die Medikamente zwei Wochen vor der Geburt absetzen soll. Aber wann ist denn das, wenn man keine Bauchgeburt plant?
Davon ausgehend, dass ein Kind sich gerne mal ab 38+0 auf den Weg macht, vielleicht aber auch erst zwei Wochen nach ET, wären das schlimmstenfalls sechs Wochen ohne Medikamente gewesen. Das war einfach nicht möglich.
Also war klar: es wird eine geplante Bauchgeburt.
Zu dem Zeitpunkt konnte ich kaum darüber nachdenken, ob ich das jetzt gut finde oder nicht. Es war einfach unsere einzige Option. Und alles, was ich nach diesen qualvollen Monaten wollte, war mein Baby sicher im Arm zu halten.
Wissend, dass es eine Bauchgeburt werden würde, habe ich mich informiert und auch bei der Anmeldung zur Geburt meine Wünsche geäußert.
Ich wollte unser Kind gerne selbst rausheben oder zumindest zuschauen.
Ich habe mir gewünscht, direkt zu bonden und dass mein Kind die ganze Zeit bei mir bleiben darf.
Nicht alles davon hat geklappt.
Zu wissen, wann das eigene Kind geboren wird, ist vieles: komisch, aufregend, beruhigend, schade.
Für uns ging es früh los und obwohl die Geburt noch in die Corona-Zeit gefallen ist, durfte mein Mann von Anfang an dabei sein.
Also nüchtern ab in den Kreissaal, Kittel anziehen, Zugang legen. Warten.
Pünktlich eine Stunde später ging es Richtung OP.
Während mein Mann sich umzog, wurde mir schnell und schmerzfrei die Spinalanästhesie gelegt und ich schon mal in den Operationssaal gefahren.
Dort wurde ich desinfiziert, der Blasenkatheter gelegt und der wunderbare Anästhesist hat mir erklärt, was ich fühlen werde, was nicht und wann er sicher sein kann, dass die Narkose wirkt.
Kurz darauf war mein Mann wieder bei mir und der OP füllte sich mit Menschen.
Und dann ging es los. Es hat zwar etwas länger gedauert als die angekündigten ein bis zwei Minuten bis unser Kind bei uns war, aber es ging dann alles sehr schnell.
Und plötzlich stand die Welt still. Plötzlich lag dieses kleine hilflose Wesen auf meiner Brust und nicht mehr in meinem Bauch und schon nach ein paar Sekunden konnte ich mir nicht mehr vorstellen, dass es je anders war.
Da mir von der Narkose am Anfang noch schlechter wurde, durfte ich die Maske absetzen, sodass ich dieses kleine Wunder direkt abknutschen konnte – zumindest da, wo ich rankam.
Denn nein. Ich habe mein Baby nicht selbst rausgehoben. Ich hätte es nicht gedurft, aber auch nicht gekonnt. Meine Arme und mein ganzer Körper haben von der Narkose, aber sicher auch von der Anspannung und Erschöpfung der letzten Monate so stark gezittert, dass ich unser Kind nicht alleine hätte halten können.
Ich habe auch nicht gesehen, wie mein Kind geboren wurde. Um ehrlich zu sein, haben wir an dem Tag vergessen noch Mal zu fragen, ob das möglich wäre. Das bereue ich tatsächlich bis heute.
Ich tröste mich damit, dass sie wahrscheinlich sowieso nein gesagt hätten, weil niemand möchte, dass ein 2m-Mann im OP umkippt.
Aber mein Kind war von Anfang an bei mir. In einem Bonding-Top auf meiner nackten Brust. Zugedeckt mit einem dunkelroten Handtuch. Gehalten von seinem Papa.
Die OP dauerte aufgrund weiterer Eingriffe ca. eine Stunde und mein Kind war bis drei Minuten vor dem Ende bei mir. Dann begleite die Hebamme meinen Mann und mein Baby für die U1 nach draußen und ein paar Minuten später waren wir wieder zusammen und starteten die ersten Stillversuche. Spoiler: Die Bauchgeburt stand unserer Stillbeziehung nicht im Weg.
Wie ich in meinem Blogartikel über meine Beziehung zur Doku-Fotografie schon erzählt habe, haben wir uns eine professionelle fotografische Geburtsbegleitung sehr gewünscht.
Leider hat das aus verschiedenen Gründen nicht geklappt, sodass es:
Wenn ich die Zeit zurückdrehen könnte und die Situation eine andere wäre (kein Corona, mehr zeitliche, gedankliche und körperliche Kapazitäten), wäre das der Punkt, den ich auf jeden Fall versuchen würde anders zu machen.
Denn dann wäre auch mein Mann auf den Bildern zu sehen. Dann könnte ich vielleicht sogar immer wieder sehen, wie genau mein Kind auf die Welt kam. Dann hätte mein Mann jede Sekunde mit seiner Aufmerksamkeit bei uns sein können und es hätte trotzdem Bilder gegeben.
Unabhängig davon, ob es dein Wunsch war oder nicht. Wenn du das hier liest, stehst du wahrscheinlich vor einer geplanten Bauchgeburt und überlegst, wie du sie so gestalten kannst, dass es sich für dich (und dein Kind) sowohl in dem Moment, als auch langfristig möglichst gut anfühlt.
Ich kann dir aus meiner eigenen Erfahrung empfehlen, dich möglichst gut vorzubereiten und dir klarzumachen, was dir wichtig ist und was für Möglichkeiten es gibt. Dabei kann ich dir die Angebote von Petra Burger (www.bauchgeburt.com) wärmstens empfehlen. Ich wünschte, ich hätte sie vor unserer Geburt gekannt.
Außerdem – und das sage ich nicht, um dir meine Dienstleistung zu verkaufen, sondern weil es das ist, was ich am meisten bereue: Buch deine Fotografin. Informier dich rechtzeitig. Bei verschiedenen Fotografinnen. Lerne sie kennen und schau, mit wem du dich wohlfühlst.
Damit du Erinnerungen an den Zusammenhalt von euch als Paar hast, in diesem bewegenden Moment. An eure wirklich allerersten Kuschelmomente mit eurem kleinen Wunder. An deine Stärke unter der Geburt. An den Moment, der dein Leben für immer verändern wird.
Ich bin sicher, das wirst du nicht bereuen.
Der Vorteil einer geplanten Bauchgeburt ist für mich als Fotografin genau das: die Planbarkeit. So kann ich auch noch kurzfristig eine Anfrage übernehmen und muss keine wochenlange Rufbereitschaft organisieren.
Melde dich also gerne auch noch kurz vor dem geplanten Termin und wir schauen, dass wir eure Erinnerungen möglich machen.
Ich freue mich auf euch!
ist dokumentarische Familien-, Geburts- & Hochzeitsfotografin, Sportwissenschaftlerin mit Schwerpunkt Schwangerschaft & Postpartum sowie Expertin für Säuglings- und Kleinkindernährung in Freiburg im Breisgau und Umgebung.
Ehrlichkeit, Respekt und Empathie sind die Werte, die ihr Leben und ihre Arbeit prägen und es ihr ermöglichen Familien wertschätzend abzuholen und zu begleiten.