Meine Erfahrungen mit der dokumentarischen Familienfotografie – als Fotografin und Mama

von Michelle Wegener

Dokumentarische Familienfotografie ist eine Richtung der Fotografie, von deren Existenz ich lange nichts wusste. Aber als sich das geändert hat, hat sich mein ganzes Leben verändert.

Ein Weg voller Hoffnungen, Enttäuschungen, Zweifel und Mut hat mich an den Punkt gebracht, an dem ich heute stehe: Ich begleite Familien empathisch, wertschätzend und ohne einzugreifen in den Momenten, die den Unterschied machen. Oft ist das eher der leise Alltag als die lauten Momente, die es nur ein Mal gibt.

Als Fotografin und Mama habe ich die Bilder gefunden, die mich glücklich machen. Diese sind meist unaufgeregt und unspektakulär, aber immer voller Gefühl und Ehrlichkeit.

Inhaltsverzeichnis

Was ist dokumentarische Familienfotografie überhaupt?

Für alle, die mit dem Begriff der dokumentarischen Familienfotografie nichts anfangen können, starte ich mit einer kurzen Einordnung.
Wie der Name schon sagt, geht es um das Dokumentieren. Also das Sichtbarmachen von dem, was ist. Ohne zu beeinflussen.
Für die Familienfotografie bedeutet das: keine Anweisungen, keine Posen, keine abgestimmte Kleidung und auch kein extra Licht.
Es geht darum, euren Alltag oder auch eure Herzensmomente genauso festzuhalten wie sie sind. Unperfekt perfekt. Mit Babyspucke auf dem Schlafi; dem einen Regal, das einfach immer als Ablage für alles dient; dem Kind, das keine Lust auf Fotos hat und in seinem Zimmer verschwindet.
Denn genau diese Bilder sind es, die von Jahr zu Jahr wertvoller werden. Die euch später dazu einladen Fragen zu stellen und Geschichten zu erzählen. Die ihr anschauen könnt mit dem Gefühl: stimmt, ganz genau so war das. Vielleicht laut, vielleicht leise, aber auf jeden Fall ihr.

Der Moment, der alles verändert hat

Seit ich eine Kamera halten kann, fotografiere ich. Menschen habe ich allerdings nur selten fotografiert. Als Schnappschuss auf Geburtstagen oder Feiern.
Meine Schwester hat schon als Kind angefangen zu modeln, sodass ich nicht nur in den Medien, sondern auch im direkten privaten Umfeld gelernt habe, dass Menschen posieren müssen. Dass sogar der schönste Mensch nicht gut genug ist und retuschiert werden muss. Das Chaos und Alltag nicht auf Fotos gehören, sondern Familien in Fotostudios oder zumindest im eigenen Zuhause ins beste Licht gerückt.
So wollte ich keine Menschen fotografieren. Wenn ich solche Bilder gesehen habe und auch immer noch sehe, fühle ich dabei nichts. Die Vorstellung Menschen selbst so zu fotografieren fühlt sich für mich falsch an. Unehrlich.
Also habe ich Landschaften fotografiert. Auch nur mit mäßigem Erfolg, weil ich das blau so gezeigt habe, wie es aussah und nicht so, dass es zu meinen anderen Bildern passt.

Der Wendepunkt

2022 habe ich dann in meiner Hebammen-Praxis Wochenbett-Bilder von Marcia Friese gesehen. Echte, ehrliche Wochenbettbilder. Mit Milch und Gefühl und „unperfektem“ Licht.
In dem Moment war mir klar: So. Ganz genau so sollten Familien, Paare, Kinder fotografiert werden.
Und ganz leise war da auch schon ein: Ganz genau so möchte ich Familien fotografieren.
Aber erst Mal hieß es Schwangerschaft durchstehen (danke Hyperemesis Gravidarum) und in meine neue Rolle als Mama schlüpfen.

Corona-Folgen & Enttäuschungen

Mit dem Wissen, dass es solche Bilder gibt, machte ich mich auf die Suche und stieß auf den Begriff der dokumentarischen Fotografie. Stundenlang scrollte ich durch Instagram und fand ein Bild berührender als das nächste. Für mich war klar: Das will ich auch. Für uns. Als Familie.

Geburt

Geburtsfotografie. Hätte mir ein paar Wochen vorher jemand erzählt, dass ich gerne Bilder von der Geburt meines Kindes hätte… Ich hätte erstens nicht gewusst, dass es sowas überhaupt gibt und wäre mir zweitens sicher gewesen, dass ich das nicht brauche und möchte.
Zumal bei uns klar war, dass es eine geplante Bauchgeburt wird. Was soll man da schon Schönes auf Fotos sehen? Oh wie falsch ich lag.

Doch am Ende sollte es nicht sein. Eine Fotografin war zu teuer für uns und die andere konnte kurzfristig keine neuen Geburten mehr annehmen. Außerdem war immer noch Corona, sodass wir auch niemanden von weit weg fragen konnten.
Glücklicherweise hatten wir einen ganz wunderbaren Anästhesisten, der die ersten Momente für uns mit dem Handy festgehalten hat und mein Mann war zu dem Zeitpunkt auch schon mehr als sicher im Umgang mit dem manuellen Modus, sodass wir Erinnerungen an die Geburt und die Stunden danach haben.

Nicht hoch-professionell, nicht so wie ich es mir vorgestellt hatte, aber diese Bilder bedeuten wir die Welt.

Wochenbett

Nachdem das mit der Geburtsbegleitung nicht geklappt hat, dachte ich, wir buchen auf jeden Fall eine Fotografin für das Wochenbett. Doch auch hier hat Corona uns einen Strich durch die Rechnung gemacht. Unsere gebuchte Fotografin, die aus Augsburg gekommen wäre, wurde krank.

Und was soll ich sagen. Zu dem Zeitpunkt gab es in Freiburg und Umgebung niemanden, der wirklich dokumentarisch gearbeitet hat.

Also gibt es aus der Zeit auch ein paar gestellte Bilder, Handyfotos und viele ganz wunderbare Bilder, die mein Mann gemacht hat. Und während ich weiß, dass ich mich glücklich schätzen kann, dass es diese Bilder gibt, fehlt etwas ganz Wichtiges: mein Mann. Es gibt keine Fotos von uns als Familie und kaum welche von ihm und unserem Kind, weil ich körperlich einfach lange nicht in der Lage war mich frei zu bewegen.

Während ich also froh bin über jedes Bild, das im Fotobuch gelandet ist und meinem Kind zeigt, wie geliebt es von Anfang an war und wie unser Leben in der ersten Zeit aussah, werde ich für immer traurig sein, dass es diese Bilder von uns allen zusammen nicht gibt.

Ich habe mich getraut

Nachdem ich so viele Jahre keine Menschen fotografiert hatte, war die Hürde groß.

Landschaften ist es egal, wie sie auf Bildern aussehen. Ob die Bilder sie so zeigen, wie sie sind und die Betrachterin etwas fühlen lassen. Das ist bei Menschen anders. Und das hat mir eine Riesenangst gemacht.

Deshalb hat es eine ganze Weile gedauert bis ich mich getraut habe, davon zu erzählen, dass ich das gerne machen würde und befreundete Familien zu fragen, ob ich sie fotografieren darf.

Intensiv-Kurs Dokumentarische Familienfotografie

Nachdem ich mich überwunden hatte, wurde es zwar nicht leichter, ich mir aber immer sicherer, dass ich genau das machen musste.

Also ging ich 2023 den großen Schritt und meldete mich bei dem Intensiv-Kurs für dokumentarische Familienfotografie von Chiara Doveri und Marcia Friese an.
Zwölf Wochen voller Input, Wissen, Aufgaben und konstruktivem Feedback.
Monate voller Herausforderungen, Selbstzweifeln und positiven Rückmeldungen.

Und am Ende stand die große Frage: Was mache ich nun damit? War das alles „nur“ für mich oder mache ich ernst?

Selbstständigkeit

Da ich mit 13 angefangen habe selbstständig zu arbeiten und auch in meinem Hauptberuf selbstständig war und bin, hat mir das keine Angst gemacht.
Wohl aber den Schritt zu wagen und mich und meine Arbeit der Welt zu zeigen.
Nach vielen Gesprächen, Zweifeln, Tränen und noch mehr ermutigenden Worten stand fest: Ich wage den Schritt und mache mich mit der dokumentarischen Familienfotografie selbstständig.

Neben Kind und zwei weiteren Selbstständigkeiten ist das Tempo nicht das, was ich gerne hätte, aber ich bin sehr froh und stolz, dass ich diese Entscheidung getroffen habe und freue mich über alle, die den Weg bisher mit mir gegangen sind und mich in Zukunft begleiten werden.

Was die dokumentarische Fotografie mir als Fotografin bedeutet

Ich bin angekommen. An dem Platz, von dem ich bis vor ein paar Jahren nicht wusste, dass er existiert oder ich ihn suche.
Die Möglichkeit Menschen so zeigen zu können, wie sie sind und ihnen dieses Geschenk für immer mitgeben zu können, macht mich unfassbar glücklich. Ehrlichkeit ist für mich die Basis für menschliche Beziehungen. Sie auch in Bildern zeigen zu können, ist für mich wahnsinnig befreiend und erfüllend.

Was die dokumentarische Fotografie mir als Mama bedeutet

Mich selbst auf Bildern zu sehen, war – wie für die meisten – sehr ungewohnt. Mich selbst auf ungestellten Bildern zu sehen oft eine Herausforderung.
Mit der Zeit habe ich es aber sehr zu schätzen gelernt. Weil diese Erinnerungen, dieser Blick von außen einfach unbezahlbar ist.

Weil diese Bilder so viel mehr erzählen, als unsere Erinnerungen in Gedankenform in ihrer Eindimensionalität jemals könnten.

Sie zeigen mir, wer ich als Mama bin, als Partnerin und wer und wie wir als Familie sind, wenn wir uns unbeobachtet fühlen.

Sie beherbergen so viel Wissen, dass wir unserem Kind und eventuell auch zukünftigen Generationen niemals nur mit Worten begreiflich machen könnten.

Deshalb kommt mittlerweile mindestens ein mal im Jahr eine Kollegin zu uns und hält unseren ganz eigenen chaotischen Alltagszauber fest.

Fazit: Die dokumentarische Fotografie hat mein Herz im Sturm erobert

Die dokumentarische Fotografie ist für mich die Art Familien zu fotografieren, die mein Herz höherschlagen lässt und mit der ich mich auch vor der Kamera am wohlsten fühle.

Gleichzeitig weiß ich, dass es erst Mal ein Umdenken braucht und auch eine Herausforderung sein kann, sich so offen und damit auch verletzlich zu zeigen.
Deshalb ist es mir wichtig, dass wir uns kennenlernen, bevor ich in euer Zuhause, in euren geschützten Raum komme. Damit alle Sorgen und Fragen besprochen werden können und ihr dann tatsächlich einfach ihr selbst sein könnt.

Weil ihr seid, was zählt.

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Wenn du jetzt so ein Kribbeln im Bauch spürst und denkst, dass ich vielleicht genau die Fotografin bin, mit der du dich wohlfühlen könntest, freue ich mich darauf, deine Geschichte zu hören.

Ich freue mich auf deine Nachricht!

Michelle Wegener

ist dokumentarische Familien-, Geburts- & Hochzeitsfotografin, Sportwissenschaftlerin mit Schwerpunkt Schwangerschaft & Postpartum sowie Expertin für Säuglings- und Kleinkindernährung in Freiburg im Breisgau und Umgebung.
Ehrlichkeit, Respekt und Empathie sind die Werte, die ihr Leben und ihre Arbeit prägen und es ihr ermöglichen Familien wertschätzend abzuholen und zu begleiten.

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